Der Spatz auf der Familienfeier
Was ist das eigentlich - dieses Twitter? Spätestens dann, wenn Menschen aus dem nahen persönlichen Umfeld, so Gattung “Zeitungsleser” und “Videotextdinosaurier” (ja, die gibt es), einem diese scheinbar simple Frage mit einer widernatürlichen Betonung des Terminus Twitter an den Kopf knallen, so als handele es sich um ein metaphysisches, vor allem unerklärbares Phänomen, spätestens dann weiß man, dass eine alltagstaugliche, jegliches Web-2.0-typische Vokabular vermeidende Begriffsbestimmung und -erklärung her muss.

Schuld daran, so viel bin ich mir nach einer ungefähr dreistündigen Wartezeit beim letzten Arztbesuch sicher, sind diverse Special-Interest-Blätter à la Bild der Frau/Frau im Bild/Alles für die Frau und so weiter. Aufmacherbeiträge über twitternde C-, D- oder E-Promis werden hier langsam aber sicher zum Alltag. Ein Cartoon in einem dieser Klatsch- und Kochtippsheftchen hat für mich den Vogel im wahrsten Sinne des Wortes abgeschossen: Zwei Frauen am Kaffeetisch, Sprechblase 1: “Ich twitter übrigens.”, Antwort in Sprechblase 2: “Dann zieh dir doch was wärmeres an!” - Ein Brüller sondergleichen. Oder etwa nicht?
Auch die LVZ hatte just die Tage ein Twitter-ABC in der Printausgabe gehabt. Huijui. Jedenfalls - so mein Rückschluss und Wochenendratschlag zugleich - sollte man sich vor der nächsten großen Familienfeier, so vom Typ 75. Geburtstag oder Steinerne Hochzeit, eine 1a-Antwort zurechtlegen, um nicht in die Verlegenheit einer Verlegenheit zu kommen und keine zielgruppengerechte Definition parat zu haben. Begriffe wie iPhone (Ei… was?), Web 2.0 oder Retweeten sollten in einer solchen entfallen. Und auch mit dem x-Millionsten Follower kann man übrigens wenig imponieren … Hab ich alles schon versucht.


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